Forschungsprojekt: „Der Islam im Lesebuch des Deutschen Kaiserreiches“

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Förderung eines dreijährigen Forschungsprojektes zur Darstellung des Islam im Deutschen Lesebuch des Kaiserreichs am IfG (FB7) bei Prof. Dr. Christian Dawidowski (Literaturdidaktik) bewilligt. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Leiter des Georg Eckert-Instituts Braunschweig (Leibnitz-Institut), Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, durchgeführt. Die Gesamtfördersumme beträgt etwa 400.000 Euro, 195.000 davon entfallen auf die Uni Osnabrück.

Das Projekt zielt auf die vollständige Erschließung der den im Zeitraum erschienenen deutschen Lesebüchern zu entnehmenden Diskurse über den Islam. Zu diesem Zweck sieht es eine Digitalisierung der im Georg-Eckert-Institut Braunschweig gesammelten Lehrwerke aus diesem Zeitraum vor, um sie im Volltext verfügbar zu machen. Die bisher bestehende Forschungslücke bezüglich der Methodik innerhalb der germanistischen Lesebuchforschung muss dabei in einem ersten Schritt behoben werden. Damit ist das Projekt in drei Schritte zu unterteilen:

  1. a) Theoretische Fundierung: Konzeption einer genuin germanistischen Methodik der Lesebuchforschung. Die innerhalb der internationalen Schulbuchforschung dominierende Methodik der thematischen Diskursanalyse ist nicht übertragbar auf den Sonderfall des deutschen Lesebuchs als einer aus der Tradition der Chrestomathie hervorgehenden, nach verschiedenen Ordnungsprinzipien gegliederten Textsammlung. Das Projekt entwickelt dem entsprechend eine Methode, die an Kategorien der germanistischen Textanalyse in Verbindung mit kultursemiotischer Intertextualitätstheorie orientiert ist und ihrem Gegenstand damit entspricht.
  2. b) Digitale Erschließung: Digitalisierung der deutschen Lesebücher der Sammlung des Georg-Eckert-Instituts aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs 1871 bis1918 und ihre Veröffentlichung im Volltext.
  3. c) Vollständige Erschließung der Islam-Darstellungen im Deutschen Lesebuch. Das Projekt dokumentiert die Tauglichkeit der entwickelten Methode am Beispielfall der Islamdiskurse und beantwortet die Leitfrage: Wie wurden der Islam und die Muslime im Untersuchungszeitraum im deutschen Lesebuch dargestellt? Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Phänomenologie des „muslimischen Fremden“ im Kaiserreich und kann nachweisen, in welchen historischen Konstellationen der gegenwärtige Diskurs über den Islam zu verorten ist. Letzteres erscheint vor dem Hintergrund der in der Gegenwart zunehmenden interkulturellen und interreligiösen Begegnungen von entscheidender Bedeutung, kann doch nachgewiesen werden, ob Islambilder der Gegenwart noch als Produkte historischer schulischer Vermittlungsprozesse angesehen werden können. Ihr Konstruktcharakter könnte sich so erweisen.